Aikido

Was ist Aikido? (Teil 1)

 

Eine schwierige Frage, die sich nicht sofort zufriedenstellend beantworten lässt. Am besten versteht und begreift man Aikido, indem man es praktiziert und natürlich parallel studiert. Es braucht mehrere Jahre und viel Geduld und Ausdauer, um seine Tragweite und Bedeutung vollständig zu erfassen.

 

Aikido und Sport

 

Aikido ist kein Sport im westlichen Sinne, auch wenn sich einige Ziele, die wir im Sport verfolgen, durch Aikido erreichen lassen. Die vorbereitenden Übungen, die den funktionalen Aspekt des Kampfsporttrainings ausmachen, sollten nicht mit Athletiktraining oder dem Streben nach körperlicher Kraft verwechselt werden. Diese vorbereitenden Übungen sind zwar unerlässlich, stellen aber kein spezielles Training dar. Jede der körperlichen Eigenschaften – Ausdauer, Kraft, Flexibilität, Schnelligkeit und sogar Schönheit –, die es zu entwickeln, zu stärken oder zu erwerben gilt, ist kein Selbstzweck. Die Entwicklung des körperlichen Potenzials und aller damit verbundenen Eigenschaften ist zweifellos ein erster Schritt zu muskulärer Leistungsfähigkeit, ermöglicht dem Übenden aber auch, den größtmöglichen Nutzen aus der gewählten Kampfkunst zu ziehen. Kurz gesagt, all diese Vorbereitung ebnet den Weg.


Aikido, Philosophie und Religion

 

Die Praxis des Aikido setzt stets eine angemessene mentale Vorbereitung voraus, die kontinuierlich in den Unterricht integriert ist und gewissermaßen das Fehlen von Regeln und Konventionen kompensiert. Innerhalb des Rahmens einer Kampfkunst muss sich diese mentale Kultur der körperlichen Vorbereitung und dem Studium der Technik anpassen. Diese dreistufige Lehre – KÖRPER, GEIST und TECHNIK – bietet dem Übenden die Möglichkeit, sich selbst besser zu verstehen und so den Weg der Verbesserung zu beschreiten, ohne dabei starres Training zu vernachlässigen. Die Philosophie hinter der Lehre der Kampfkünste, insofern sie sich von unserem kartesischen und dualistischen Denken unterscheidet, setzt weder eine uneingeschränkte Übernahme fernöstlicher Denkweisen noch die Unterordnung unter die Dogmen irgendeiner Religion voraus. Um Aikido zu praktizieren, muss man weder seinen Gott aufgeben noch seinen Glauben verleugnen. Aikido akzeptiert jede Seelenveranlagung, jede Hingabe und beinhaltet weder auferlegte Dogmen noch eine Verpflichtung gegenüber einem Gott, sondern allein das Vertrauen in die Menschheit, ihr Potenzial und ihre Vervollkommnungsfähigkeit.